Für mich hat sich der Blick auf Gesundheit verändert.
Gesunde Selbstführung bedeutet für mich, mich wahrzunehmen. Zu merken, wie es mir wirklich geht, nicht erst, wenn etwas wehtut oder ich erschöpft bin, sondern auch in den leisen Momenten dazwischen.
Es bedeutet, Entscheidungen zu treffen, die zu mir passen. Was esse ich heute – nach Plan oder nach Bedarf? Brauche ich Bewegung oder eher Ruhe? Ist es heute dran, Dinge umzusetzen oder mich zurückzunehmen?
Es bedeutet für mich auch, Verantwortung für meinen Zustand zu übernehmen. Im Sinne von Einfluss, nicht von Schuld.
Ich bin als Mensch mächtig, weil ich beeinflussen kann, wie ich mit mir selbst und den Dingen umgehe.
Und gleichzeitig bin ich nicht perfekt. Ich fühle mich nicht immer leistungsfähig. Ich bin manchmal überfordert. Ich gehe über meine eigenen Grenzen, obwohl ich es besser weiß. Ich vergesse Dinge, die mir guttun. Ich treffe Entscheidungen, die nicht ideal sind. Ich bin ein Mensch.
Und genau das gehört für mich dazu. Gesunde Selbstführung bedeutet für mich, ehrlich wahrzunehmen, wenn etwas nicht stimmig ist.
Zu merken: So wie es gerade läuft, tut es mir nicht gut. Und mich ernst genug zu nehmen, um darauf zu reagieren.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum es sich oft so schwer anfühlt.
Es sind die vielen kleinen Momente.
All die Entscheidungen im Alltag.
Die Situationen, in denen ich mich entweder ernst nehme oder übergehe.
Und das braucht Zeit…
Wenn ich lange nicht gut mit mir umgegangen bin, bedeutet das auch, vieles neu zu lernen. Neu zu entscheiden. Neu auszurichten. Zu üben. Zu Scheitern.
Manchmal bedeutet das, etwas radikal zu verändern. Manchmal langsamer zu werden. Und manchmal auch, um Hilfe zu bitten. Aus dem Verständnis heraus, dass ich nicht alles alleine tragen muss.
Gesundheit ist für mich kein Zustand, den ich erreiche, sondern eher ein Spiegel. Ein Spiegel dafür, wie ich lebe, wie ich entscheide und wie ich mit mir selbst verbunden bin.
Und gleichzeitig gehört auch dazu: Es gibt Situationen und körperliche Prozesse, die sich unserem Einfluss entziehen.
Gerade in solchen Momenten zeigt sich für mich, was Selbstführung wirklich bedeutet.
Wie gehe ich mit mir um, wenn etwas nicht planbar ist?
Wie spreche ich innerlich mit mir, wenn es schwer wird?
Kann ich mir erlauben, Unterstützung anzunehmen?
Und auch im Umgang mit anderen wird das spürbar.
Ob ich versuche, alles zu lösen und zu kontrollieren
oder ob ich einfach da sein kann.
Gesunde Selbstführung endet nicht bei mir selbst.
Sie zeigt sich auch darin, wie ich andere begleite, wenn sie durch schwierige Phasen gehen.
Und vielleicht liegt genau darin der Unterschied:
Dass ich wahrnehme, was ist – und lerne, bewusst damit umzugehen.
